Der Donaulimes – ein internationales Projekt 

Im Jahr 2021 wird das Welterbekomitee auf seiner 44. Sitzung, die aufgrund der Corona-Pandemie 2020 nicht stattfinden konnte, entscheiden ob der Donaulimes als die „Grenzen des Römischen Reiches – Donaulimes“ in die Welterbeliste eingeschrieben wird. Nominiert sind in einem gemeinsamen Antrag von Deutschland (Bayern), Österreich, der Slowakei und Ungarn 98 Legionslager, Auxiliarkastelle, Kleinkastelle, Wachttürme, Brückenköpfe, Marschlager und zugehörige zivile Siedlungen zwischen Bad Gögging in Niederbayern und Kölked im Süden Ungarns. Die Teile der neuen Welterbestätte liegen wie die Perlen einer Kette aufgereiht am Südufer der antiken Donau auf einer Strecke von fast 1000 Flusskilometern. Im Falle der Einschreibung werden sich die vier Länder ein transnationales serielles Welterbe teilen. Es handelt sich hierbei um den westlichen Abschnitt des römischen Donaulimes. Er setzte sich noch bis nach Bulgarien fort, wo die Donau in das Schwarze Meer mündet. Die Nominierung des östlichen Abschnittes erfolgt separat und wird von den betroffenen Ländern Kroatien, Serbien,  Rumänien und Bulgarien gemeinsam vorbereitet.

Die bayerischen Anteile der Nominierung

In Bayern sind römische Überreste in neun Orten zwischen Neustadt a.d. Donau und Passau zur Einschreibung in die Welterbe-Liste nominiert. Dieser deutsche Anteil wird wie der Obergermanisch-Raetische Limes und der deutsche Anteil des ebenfalls nominierten Niedergermanischen Limes durch die Deutsche Limeskommission vertreten. Die Erstellung wesentlicher Teile der transnationalen seriellen Welterbenominierung erfolgte durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege.

Der bayerische Anteil umfasst Flächen in den Regierungsbezirken Niederbayern und Oberpfalz, die sich in den Landkreisen Kelheim und Deggendorf und den Städten Regensburg, Straubing und Passau befinden. Sie spiegeln die verschiedenen Phasen der römischen Grenzsicherung vom 1. bis in das 5. Jahrhundert wieder, mit einem Schwerpunkt in der mittleren Kaiserzeit (spätes 1. bis 3. Jh. n. Chr.) Der Raetische Landlimes traf bei Eining in Niederbayern auf die Donau, die ab hier die „nasse“ Grenze (ripa) der Provinz Raetien bildete.

Näheres zu den nominierten Flächen an der bayerischen Donau

Im Landkreis Kelheim sind das Heilbad von Bad Gögging, welches ab dem späten 2. Jahrhundert n. Chr. von der Legio III. Italica genutzt wurde, das Heiligtum auf dem Weinberg bei Eining und das Kleinkastell Weltenburg-Am Galget Teil der Welterbe-Nominierung. In dem Heiligtum wurden im 2. und 3. Jh. Chr. die Militärgottheiten Mars und Victoria verehrt. Das Kleinkastell repräsentiert die Frühzeit des Donaulimes. Es datiert in das mittlere 1. Jh. n. Chr. und war Teil der ersten linearen Grenzsicherung Roms an der Donau.

Regensburg in der Oberpfalz war eine Art „Hotspot“ des römischen Militärs an der bayerischen Donau.  In Regensburg-Kumpfmühl sind Teile des dortigen Kohortenkastells, welches im späten 1. Jh. n. Chr. erbaut wurde und der dazugehörigen Zivilsiedlung (vicus) nominiert. Zerstört wurde dieser Garnisonsort in den Markomannenkriegen um 172 n. Chr. Als Folge wurde die einzige Legion Raetiens, die Legio III. Italica, ab 179 n. Chr. im neu erbauten Legionslager stationiert. Gleichzeitig sicherte ein kleines Hilftstruppenkastell in Regensburg-Großprüfening die Mündung des Flusses Naab. Dieses Kastell und Teile seines vicus sind ebenfalls im Nominierungsantrag berücksichtigt. Das Legionslager, welches vom späten 2. bis in das 5. Jh. n. Chr. hinein genutzt wurde, war 24,5 ha groß. Acht Teilstücke seiner ehemals etwa 6 m hohen Lagermauer, die im Stadtbild heute noch zu sehen sind sowie Reste von Mannschaftsbaracken unter dem Niedermünster sind als zukünftiges Welterbe vorgesehen. Kleine Flächen im Westen im Bereich des Velodroms und im Osten um die Königliche Villa repräsentieren zudem die Zivilsiedlung (canabae legionis) des Lagers. In dem sog. Großen Gräberfeld desLegionsstandorteswurde vom späten 2. Jh. n. Chr. bis in das frühe Mittelalter hinein bestattet. Von ihm ist nur noch eine kleine Fläche erhalten und in der Nominierung berücksichtigt.

Im niederbayerischen Straubing bilden die ausgewählten Flächen zwei unterschiedliche Phasen der römischen Zeit ab. Das sog. Ostkastell III, östlich des heutigen Stadtzentrums, war in der mittleren Kaiserzeit (2./3. Jh. n. Chr.) Standort einer tausend Mann starken Bogenschützenkohorte. Die Überreste des Kastells auf dem Kirchhügel von St. Peter stammen aus der Spätantike (4./5. Jh. n. Chr.).

In Künzing  (Lkr. Deggendorf) wurden die nicht ausgegrabenen Teile eines hölzernen Amphitheaters  (2. Jh. n. Chr.) und eine anschließende Fläche der zivilen Kastellsiedlung der mittleren Kaiserzeit (2./3. Jh. n. Chr.) in die Welterbe-Bewerbung aufgenommen.

Das heutige Passau befand sich in Grenzlage der Provinzen Raetien und Noricum. Im Stadtgebiet gibt es drei nominierte Areale:  In der Altstadt im Bereich des Klosters Niederburg befinden sich Reste einer mittelkaiserzeitlichen Zivilsiedlung und des spätantiken Kastells Batavis. Das spätantike Kastell Boiotro in der heutigen Innstadt lag im Gebiet der Provinz Noricum. Ebenso der spätantike Wachtturm in Passau-Haibach.

Museen am bayerischen Donaulimes

Die Römermuseen am Donaulimes in Kelheim, Regensburg, Straubing, Künzing und Passau vermitteln spannende Einblicke rund um den römischen Donaulimes und das alltägliche Leben in der römischen Zeit. Gemeinsam bilden Sie das Netzwerk „Römermuseum am Donaulimes“ zu dem zusätzlich auch das kelten römer museum Manching gehört.

Ebenso außerhalb der Museen gibt es Vieles zu entdecken und über die römische Flussgrenze zu erfahren. Weitere Informationen erhalten Sie von den Museen und den Tourismusinformationen vor Ort.